Hallo Heidi,
ohne die näheren Umstände zu kennen, kann man bei dieser Messung, denke ich, doch sehr gut erkennen, was zwei massive Stresssituationen, nämlich psychosozialer Beziehungsstress und ökosoziale Abstiegsangst, anrichten können. Wenn dann noch Rauchen als ziemlich ungünstigstes Verhalten dazu kommt, dann wird es schnell brenzlig. Ob diese Werte in Richtung körperliche Erkrankung gehen, müsste die Person schon selbst medizinisch abklären lassen. Eine grundsätzliche Untersuchung richtet ja keinen Schaden an.
Ich sehe das Messergebnis trotz der teilweise wirklich schlechten Datenlage nicht ganz so dramatisch, denn wir sehen zwei essentiell wichtige Frequenzbänder – wenn auch auf sehr niedrigem absoluten Niveau – noch recht gut mess- bzw. erkennbar: Ökonomie (HF) und Substanz (VLF). Beide haben essenziellen gesundheitlichen Wert. Zusätzlich reagiert ja die Herzrate akkurat auf geänderte Aktivitäten. Auch wenn sie natürlich aufgrund der Stresssituation sehr hoch ist, finde ich das nicht ganz so übel! Auch die Dynamik A von 19 ist echt gut. Offensichtlich grübelt sie in der Nacht, wenn sie zwischen halb 3 und halb 4 “alleine kommuniziert” und sich danach an den PC setzt… Schlechter, unterbrochener Schlaf ist sicher auch ein Symptom ihres lausigen Gesamtzustandes, aber nicht dessen Ursache.
Im Coaching würde ich mich nicht in die „schlechten“ Daten verbeißen, sondern die guten hervorheben, auch wenn natürlich die objektive Wahrheit zumutbar ist. Sie fühlt ja sowieso, wie es ihr subjektiv geht und es wird ihr durch die Messung wahrscheinlich in ihrem Gefühl nur bestätigt. Das ist also keine große Überraschung.
Im Stress- und Krisenmanagement geht es immer um 3 Aktionsfelder:
- instrumentell: die Stressauslöser gehören, so schnell und gut es eben geht, beseitigt, damit die Stressursache weg fällt: Beziehungen und Finanzen klären, Rauchen hinterfragen.
- kognitiv: für gedankliche Entlastung sorgen und die Einstellung hinterfragen. D. h. andere, entlastende Standpunkte einnehmen, um mentalen Druck abzubauen
- regenerativ: D. h. gezielt z. B. durch Sport, Entspannungstraining und Abwechselung einen Tapetenwechsel suchen, um von der belastenden Situation mal Abstand zu bekommen.
Wenn es ihr gelingt, die Stressauslöser hinter sich zu lassen, gedanklichen Abstand zu gewinnen, indem sie – ja, das ist schon recht abgedroschen – die Krise auch als Chance zu sehen imstande ist und für den Stress entsprechende Blitzableiter findet, dann geht es sehr schnell bergauf. Und übers Rauchen brauchen wir nicht diskutieren.
Aber dass eine Trennung und finanzielle Sorgen maximalen Stress bedeuten, das sieht man ja auch schon daran, dass sie in der Liste der “Major Life Events” sehr weit oben stehen. Was ihr sicher in dieser krisenhaften Lebenssituation helfen würde wäre eine professionelle psychologische Unterstützung durch Lebensberatung oder PsychologIn. “Das wird schon wieder” ist sicher gut gemeint, greift aber doch etwas zu kurz…
LG, Erich