Warum so jung?

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  • Warum so jung?

    Hallo Liebe Community,

    alle meine Messungen sagen mir dass ich aus biologischer Sicht 20 Jahre alt bin, ich fühle mich aber eigentlich die wenigste Zeit wirklich so .

    Ich bin 32 Jahre alt, Programmierer, verheiratet, 3 Kinder, treibe viel Sport.
    Ich arbeite die meiste Zeit über unter Druck (unrealistische Deadlines, öfters mal 14-Stunden Tage, ...) und fühle mich an den meisten Abenden total zermürbt. Auch schlafe ich die letzte Zeit zunehmends schlechter.
    Zusammenfassend fühle ich mich die letzte Zeit einfach unausgeglichen und gestresst. Aus diesem Grund habe ich mich auch entschlossen eine Messung zu machen.
    Deutet etwas in meiner Messung auf eine psychische "Unausgeglichenheit" hin?

    Vielen Dank im Voraus

    PS: ich habe vor ca. einem Jahr schon eine Messung im Forum gepostet.
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  • #2
    Hallo Anonymous,
    eine sehr gute Dokumentation. Ich glaube nicht, dass du eine psychische Unausgeglichenheit hast. (Allerdings kann ohne persönliches Kennen und Gespräch nur eine Vermutung geäußert werden.) Aus dem Zahlenmaterial kann man erkennen, dass du optimal über längere Zeiträume Sport treibst. Währe hier eine Überforderung, würde das Momentbild nicht so gut sein. Der für dich vermutete Widerspruch könnten folgende Aspekte zugrunde liegen.
    1. Im Gegensatz zur Woche davor hast du vermutlich einen "Ruhetag" eingelegt. Dann springt bei vielen das biologische Alter in eine jugendliche Richtung. Nehme an, an einem für dich "normalen Tag" mit erhöhtem körperlichem und geistigem Einsatz wird das biologische Alter schlechter sein. Allerdings noch so gut, dass es noch nicht dem kalendarischen entspricht.
    2. Deine nächtliche Umgebungstemperatur wird bestimmt in den letzten Monaten etwas höher sein, da schläft so manch einer schlecht. Vermute, dein Blutdruck wird im optimal niedrigen Bereich liegen. Sportler mit niedrigem Blutdruck (sonst gesund) haben oftmals das Problem nicht aus dem A... zu kommen. Fühlen sich einfach so wie du beschreibst und das meist bei körperlicher Unterforderung. Da gibt es ganz gute Möglichkeiten aus diesem Träge sein rauszukommen. Dauer 30 sec. bis 2 Min. bei ganz wenig Übung. Das Problem selbst die die es können, können sich nur schwer aufraffen diese 2 Minuten tatsächlich zu machen. (Einen Marathonlauf fällt ihnen leichter anzufangen, hat was mit der eigenen Konditionierung seiner Birne zu tun)
    3. Sollte wider erwarten doch ein Ungleichgewicht in oft als Übertrainiert (eigentlich gibt es das nicht, doch jeder weiß was zu verstehen ist.) Kann eine Ausdrucksform (vor Leistungseinbußen) dein empfinden sein. Dann helfen oftmals ein gut geführtes Trainingstagebuch oder du machst öfters mal Kurzzeitmessungen wenn du konkret die Aktivitäten sehen willst. Dein gezeigtes Protokoll hat zu wenig verschiedene Aktivitäten.

    Also manövriere dein körperliches Schiff weiter mit ständigem abgleichen des Kompasses oder hier der HRV und ein Merksatz: Nur wer tiefes Leid erfahren hat, kann großes Glück empfinden. Dann nimm dein unausgeglichen und gestresst sein also notwendiges Gegenstück zu dem sonst guten Zustand.
    Viele Grüße
    achwilli

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    • #3
      Hallo Anonymous,

      warum so jung? Ganz einfach, weil du super Werte hast, was deine HRV betrifft. Die Anzahl der Herzschläge in 24h liegen trotz einer langen Sportdauer unter dem Durchschnitt, Herzrate, pNN50, etc. in einem sehr ökonomischen Bereich. Objektiv gesehen ist die Messung also wünschenswert.
      Woher kommt also dein subjektives Empfinden, dass du dich nicht so fühlst?

      Prinzipiell kann man ein Lebensfeuer ja so interpretieren: "Je höher, je dichter, je bunter - desto besser". Es kann aber tatsächlich auch ein zu dicht geben. D.h. wie kann man dein Lebensfeuer auflockern? Willi hat ja schon erwähnt, dass nur sehr wenige Aktivitäten protokolliert werden - d.h. genauer: Gibt es Pausen? Nimmst du dir für Mahlzeiten bewusst Zeit? Was machst du, um, neben dem Sport, von der Arbeit abzuschalten (Massagen, Shiatsu, etc.)? Welche Hobbies gibt es? Worin gehst du auf? Wie sieht es mit Sozialkontakten, Kommunikation, Zeit mit Kindern etc aus?
      Siehe z.B. auch Punkt 1 von Willi: War das ein typischer Tag?
      Oder überlege dir auch: Wie sind deine persönlichen Erwartungen an dich selbst? Vergleichst du vielleicht deine jetzige Leistung mit dem, was du früher erreicht hast? Welches Gefühl gibt dir jetzt diese Messung? Ist es etwas, dass dich dann doch positiv stimmt, weil du körperlich noch so gut auf den Stress und Druck reagierst?
      Oft werden die psychischen Komponenten lange ignoriert, wir konzentrieren uns lieber auf das organische, das ist leichter behandelbar, man schluckt einfach eine Tablette etc. Woher kommt also der Gedanke, dass es eine psychische Unausgeglichenheit sein kann? Du wirst dir hierzu vermutlich schon einige Gedanken gemacht haben.

      Liebe Grüße vom Autonom Health Team

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      • #4
        Hallo,

        Du lebst, wie jeder andere, in Deiner subjektiv gefühlten Welt. Man könnte auch sagen, Du kannst aus Deiner Haut nicht heraus, weil Du auch keine andere kennst. Dem gegenüber stehen harte Daten, die verständlicher Weise so gar nicht in Dein tagtäglich erlebtes Selbstbild passen. Es wäre dumm zu sagen: Hör auf zu spinnen! Oder wie man in England sagen würde: Keep calm and carry on! Du empfindest also offenbar erheblichen Leidensdruck, denn wenn Du Dich an den Abenden – wie Du schreibst – „total zermürbt“ fühlst, dann hört sich der Spaß einfach auf. So kann man auf Dauer nicht leben, auch wenn die HRV eine völlig andere Sprache spricht.

        Jede diagnostische Methode ist wie eine Brille mit einem ganz bestimmten Schliff, durch den man manches total scharf sieht, aber anderes sehr verschwommen. Durch die HRV-Brille sieht man sehr vieles sehr scharf, quasi wie durch eine Art Gleitsichtbrille. Aber es gibt halt manchmal Zustände, die sich am Vegetativum vorbeischwindeln und daher mittels HRV-Messung – aus welchen Gründen auch immer – nicht befriedigend erfasst werden können. Dass das extrem selten ist, wird Dich vielleicht auch nicht beruhigen, aber so ist es. (Der letzte ähnliche Fall, an den ich mich erinnern kann, wurde von einer Ärztin bei einem Seminar vor vielleicht 4 Jahren vorgebracht. Ein Kollege von ihr (Arzt im AKH) hatte exzellente HRV-Werte und war tagtäglich völlig erschöpft und zermürbt von Arbeit und Familie und fühlte sich schon seit Monaten im Burnout.)

        D. h. es braucht eine anders geschliffene, diagnostische Brille, die Deinen Leidensdruck irgendwie abbildet und plausibel darstellt. Nachdem Deine VLF im Verhältnis eher mager ist (ja, das ist sehr relativ), denke ich, dass ein genauerer Blick auf zirkadiane Hormone und Neurotransmitter kein Fehler sein kann. Eine „psychische Unausgeglichenheit“ kann ja durchaus aus diesem Bereich kommen, wenn eine Substanz zu niedrig bzw. eine andere zu hoch ist. Ich könnte mir gut vorstellen, dass z. B. ein Neurostressprofil o. ä. eher Antworten darauf gibt, warum gefühlt und gemessen so weit auseinanderklaffen. Diese sympathikotone Daueraktivierung, das über 11 Stunden lange Durchpowern ohne erkennbare Entspannung. ist so sicher nicht „normal“. Es gibt genügend Leute, die über diese Fokussierungs-„Gabe“ froh wären, aber ich kann mir vorstellen, dass das auch eine Bürde sein kann, an der man leidet, weil man sich zwar gut auf etwas einlassen, aber nicht loslassen kann. Wärst Du eine Kerze, dann brennst Du irgndwie an beiden Enden. Das hat Deinem Vegetativum noch nicht geschadet, aber irgendeinen Grund muss es haben...

        Leider hab ich Deine Messung und das, was ich damals geschrieben habe nicht gefunden.

        Liebe Grüße, Erich

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        • #5
          Lieber Willi,
          Lieber Admin,
          Lieber Erich,

          erstmal herzlichsten Dank für eure tollen Antworten.

          Bitte verzeiht die schlechte Dokumentation, ich hab die App nicht rechtzeit zum Laufen gebracht, aber mein Standard-Tag besteht im Wesentlichen aus Arbeit, Mittagessen, Arbeit, Abendessen, Sport, Entspannen, Schlafen. Es fällt mir aber jetzt erst auf dass ich das Essen in der Doku vergessen habe .
          Meine Standard-Sporteinheit ist allerdings etwas kürzer (30-60 Minuten), das war hier Ausnahme, und auch nicht in voller Intensität.

          kurze Info noch vorneweg: Bei mir wurde in den letzten Jahren zweimal aus anderen Gründen ein EKG gemacht, und beide Male wurde eine überdurchschnittlich starke RSA diagnostiziert (jedoch ohne Folgen, anscheinend nicht bedenklich). Kann es sein dass diese meine Messung etwas verfälscht?

          @Willi:
          Ich habe die letzten Tage mal meine Blutdruck beobachtet, und ja, du hast wirklich recht. Der ist tatsächlich eher niedrig (105 / 60). Außerdem hast du auch recht mit den Problemen am Morgen, ich komme wirklich recht schlecht "in die Gänge". Habe die letzten Tage jetzt mal kalte Duschen am Morgen versucht, und die wirken echt Wunder
          An Übertraining habe ich bisher eigentlich nicht gedacht, ich gönn meinem Körper schon ab und an einen Erholungstag.

          @Administrator:
          Wie schon gesagt, ja das ist im Wesentlichen ein Standard-Tag.
          Bei der Arbeit mache ich eher wenige Pausen, mehr als 2-3 x 5 Minuten für nen Tee ist oft nicht drin. Ich habe allerdings viele Hobbies und Tätigkeiten außerhalb der Arbeit die mich erfüllen und bei denen ich herunterfahren kann. Außerdem 3 Kinder mit denen ich am Abend noch Zeit verbringe. Das steckt alles in meiner "Entspannungs"-Tätigkeit. Wie gesagt, sorry nochmal für die schlechte Doku.
          Zur Frage welches Gefühl mir die Messung gibt: Sie stimmt mich eigentlich sehr positiv, weil ich sehe dass ich den Stress evtl. doch besser bewältige als mein Gefühl mir sagt, und ich mich psychisch vielleicht doch nicht auf einem "Holzweg" befinde.

          @Erich:
          Du hast recht. Es ist natürlich sehr schwierig, das subjektiv empfundene irgendwo in eine Skala einzuordnen. Ich habe ja keinen wirklichen Vergleich.
          Ich muss aber sagen dass ich trotz dem zermürbt-Fühlen am Abend schon einen gewissen Ausgleich und Erholung in meinen Hobbies und meiner Familie finde.
          Es wundert mich eben, dass trotz oben Genanntem, den Problemen mit dem Schlaf und ein paar Anderen meiner psychischen "Knackse" (bin oft nervös und unsicher, über-analysiere Vieles, leichte Ängste) bei meinen Ergebnissen wirklich IMMER ALLE Werte (außer Schlaf) auf > 9.5/10 stehen (Stress-Bewältigung, Performance, Burnout-Resistenz).
          Zu deinem Punkt mit der Daueraktivierung: das macht mir allerdings etwas Angst. Denkst du das könnte mittel- oder langfristig ein Problem werden? Wenn die Kerze dann abgebrannt ist?
          Evtl. werde ich mich in nächster Zeit wirklich mal bzgl. einem Neurostress-Profil erkundigen.

          Ich beschäftige mich seit kurzer Zeit auch mit Achtsamkeit und bin dabei eine regelmäßige Meditationspraxis aufzubauen, evtl. hilft mir das auch am Abend noch eher "runterzukommen".
          Meine letzte Messung habe ich im Beitrag "Stress?" (Unterforum "alle HRV Parameter im grünen Bereich" gepostet). Auch damals schon war der Stress der Grund des Postings

          Ich werde in absehbarer Zeit wiedermal eine Messung posten, und euch kurz berichten wie sich alles weiterentwickelt

          Nochmal herzlichen Dank für eure Mühe und Zeit, das bedeutet mir sehr viel !

          Liebe Grüße

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          • #6
            Hallo,

            ich denke, Du brauchst in Deiner Situation vor nichts Angst haben. Deine HRV-Daten sind hervorragend, aber wenn Du in diesem öffentlichen Forum schreibst, dass Du Dich „an den meisten Abenden total zermürbt fühlst“, dann ist das sicher nicht leichtfertig hingeschrieben, oder? Auch wenn Du grundsätzlich sehr stark in der HF bist, zeigt die Frequenzverteilung doch, dass in Dir (tagsüber!) ein starker 0,1er-Motor läuft. So jemand tickt halt auf eine ganz bestimmte Weise, nämlich der tendenziellen Übertreibung bestimmter Tugenden und Verhaltensweisen:

            - Genauigkeit kann zur Perfektion ausarten
            - das Sich-leicht-auf-etwas-einlassen-Können kann zum Nicht-mehr-loslassen-Können werden
            - Ordnungsliebe kann zur Pedanterie werden
            - die Liebe zum Detail kann zum Verzetteln führen
            - Leistungsfreude kann zum bedingungslosen Leistungszwang werden
            - Lebens- und Tagesrhythmus kann zum Trott mutieren („der Standardtag“)
            - Selbstkritik kann zur Versagensangst werden, zur Angst, nicht zu genügen („über-analysieren“, grübeln) etc.

            Ob man das in Summe als „psychische Unausgeglichenheit“ bezeichnen kann, weiß ich nicht, aber es macht in Summe Druck, der schwer lasten kann. Wie gesagt, Du hast im Moment keinen Grund, ängstlich zu werden/sein, aber mit 32 Lenzen hast Du noch einiges vor Dir. Aber wenn Du schreibst, dass Du im Alltag mehrerlei Möglichkeiten zu einem effektiven Tapetenwechsel hast, dann ist das sehr begrüßenswert. Auch Achtsamkeitstraining ist sicher grundsätzlich gut, aber an Achtsamkeit - i. S. v. "Geistesgegenwart" - fehlt es Dir mutmaßlich ja nicht. „Abschalten“ wäre m. E. eher das Thema: auf andere Gedanken kommen, die nichts mit Leistung zu tun haben!

            Liebe Grüße, Erich

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            • #7
              Hallo Erich,

              wow, alle deine Punkte treffen eigentlich (leider) mehr oder weniger auf mich zu.
              Wie du schon schreibst, das ganze lastet schon etwas, aber ich such mir den nötigen Ausgleich und lass mich nicht unterkriegen
              Danke dir von Herzen für deine professionelle Analyse und die super Anregungen.

              Liebe Grüße

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