Hallo Andrea,
nur als Ergänzung zu den Ausführungen von Willi und Gast. Danke erst mal, dass Du Deinen Klienten so ausführlich und gut beschrieben hast! Da hat man auch als nur entfernt Beteiligter gleich eine Ahnung, um wen es geht.
Bezogen auf seine eigene Fragestellung in Sachen Regenerationsfähigkeit: Für mein Dafürhalten ist am auffälligsten, dass seine Vaguswerte tagsüber höher sind als im Schlaf. Das ist zwar nicht alltäglich, aber insofern nicht ganz verwunderlich, da ja die Dynamik A mit 6 äußerst gering ist und fast ausschließlich aus dem Sport resultiert. Sonst hätte er nur 2. (Hab ich auf die Schnelle ausgerechnet.)
Durch den schlechten Schlaf (?) sind auch seine manifest ausgeprägten Müdigkeitsanfälle während der PC-Arbeit, die sich praktisch durch den ganzen Tag ziehen, sehr auffällig. Es sieht aus, als wäre er immer wieder am Einnicken. Man kann sie leicht am sehr markanten Abfall der Herzrate, der RSA den mutmaßlichen pNN-Anstiegen identifizieren – siehe 5-Minuten-Säulen. (Im schlauen Buch steht einiges auf den Seiten 160 bzw. 346) Nachdem er im Schlaf nicht wirklich gut regeneriert – da zeigt er ja eindeutig einen klassischen Erschöpfungsschlaf -, holt ihn die Müdigkeit tagsüber immer wieder ein. Schnarchepisoden sind durchaus sichtbar, z. B. gleich nach dem Einschlafen oder um 2 Uhr.
Was den Vagus betrifft ist ja interessant, dass er zwar hohe pNN-Werte (die m. E. großteils vom Ausatmen kommen), aber eine sehr dürftige HighFrequency hat. Andererseits leidet bei jemandem, der gewohnt ist, immer nur Gas zu geben, mit der Zeit halt auch der Vagus, wenn er nicht von vorn herein sehr vorteilhaft veranlagt ist.
Sehr positiv ist natürlich seine enorme Substanz (VLF), die die Frequenzbänder eindeutig dominiert und sein niedriges BA maßgeblich ausmachen. Das haben halt oft Leute, die als „Macher“ und „Umsetzer“ von Dingen gelten, die sich oft eher andere ausgedacht haben. Er könnte wahrscheinlich problemlos brüllend eine Kompanie auf dem Kasernenhof herum kommandieren. Er kann also gut ausatmen („brüllen“), aber schlecht einatmen. Wer in der VLF so dominant ist und wahrscheinlich früher auch in der LF stärker war, der verfolgt eher verbissen Ziele. Der Weg zur Zielerreichung kann durchaus auch Spaß befreit, i. S. v. fehlender Leichtigkeit, sein – Hauptsache Ziel erreicht! Kann abgehakt werden. So jemand kann natürlich auch zu sich selbst gnadenlos sein, sich also alles abverlangen. Auch beim Sport. Der Perfektionismus (LF) ist irgendwie aber bereits am Abbröckeln, was er, wie Du schreibst, als „entspannter“ wahrnimmt. Perfektionismus kostet aber enorm viel Kraft und die kann er nicht mehr so leicht aufbringen, auch wenn er veranlagt noch in ihm steckt. Da hat er schon viel verbraucht, vor 10 Jahren hätte das mutmaßlich noch anders ausgesehen.
Beim letzten HRV-Sport-Event mit Seppi wurde ausführlich die Tatsache diskutiert, dass offenbar viele ältere Ausdauersportler sehr wenig RSA im Schlaf zeigen. Unter Umständen deshalb, weil sie fast ständig in einem Bereich trainieren, den die Sportwissenschaft als „Entwicklungsbereich“ bezeichnet. Nun kann man keinem Sportler einen Vorwurf machen, dass er sich entwickeln will, aber trotzdem dürfte Training, das überwiegend in diesem kritischen “Raubbaubereich” durchgeführt wird, Ausdauersportler auf lange Zeit gesehen sukzessive auslaugen – mit negativen Auswirkungen auf die RSA im Schlaf.
Mit lieben Grüßen, Erich 